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Blickwinkel

Der „BAUHAUSSTIL“mardi, 6. octobre 2009

Moderne Architektur und der "Bauhausstil".

Bauhaus Hochschule für Gestaltung 1926 Walter Gropius

Viele unserer Kunden benutzen diesen Begriff, um uns ein prägnantes Bild Ihrer Wünsche zu definieren. Klare kubische Formen, rechte Winkel – manchmal auch eine Rundung, weiße Fassaden und nicht zuletzt das Flachdach sind jene Attribute, die ihnen dabei meist zuerst einfallen und die sie bei unseren Projekten oft auch schon gesehen haben. Nun wollen sie uns die Aufgabe übertragen, ihnen in diesem Stil ihr neues Heim zu entwerfen und zu bauen.

a2haus-Stil = „Bauhausstil“? Mitnichten.  

Das BAUHAUS und jene Leistungen, die in dieser Institution und dessen Umfeld im vorigen Jahrhundert entstanden sind, stellen für uns alle einen der Anfänge, einen Start in die Moderne dar, wie er derart komprimiert selten  zu vernehmen war. Eine solche Konzentration von zutiefst kreativen (Frei-)Geistern aller künstlerischen Genres an einer Institution gab es bis zur Gründung des Bauhauses im Jahr 1919 noch nirgendwo, vielleicht auch nicht wieder danach. Heute wird sie oft als die bedeutendste Kunstschule des 20.Jahrhunderts bezeichnet.

Sie ist noch vieles mehr – wie wir gerade auch in diesen Wochen erfahren, weil es gerade 90 Jahre her ist, dass sie gegründet wurde. In zahlreichen Artikeln werden viele oft unbekannte Aspekte offeriert. Auch ich werde durch viele Kleinigkeiten überrascht, die mir die besondere menschliche Situation, die damals zu diesen epochalen Innovationen geführt hat, immer klarer darstellt. Seien es Schnappschüsse aus dem völlig privaten Bereich der Bauhäusler, oder auch Übungsergebnisse der Schüler – alles umgibt eine ganz eigene Aura, die ich offen gesagt, allzu gern in Natura gespürt hätte. Es ist faszinierend, die Studenten in vielen kuriosen, nachdenklichen und auch Alltagssituationen zu beobachten und Vergleiche mit dem Heute anzustellen.  

Etliche Barrieren sind im Laufe der letzten Jahrzehnte gefallen: neue Materialien sind entwickelt, 3D-Visualisierungen und grafische Entwürfe  sind durch Rechnerunterstützung  durch jeden halbwegs begnadeten Menschen in akzeptabler Form zu erstellen und man möchte meinen, dass ALLES schon einmal entworfen oder realisiert worden ist, an dem man gerade arbeitet. Jeder Kreative kennt diese Déjà-vus der unangenehmen Art, wenn man irgendetwas meint, erstmalig entwickelt zu haben und man dann ein unzweifelhaftes Pendant entdeckt, das diese Annahme Ad Absurdum führt.

Zu Zeiten des Bauhauses war das eben anders: nach Jahrhunderten der klassischen gegenständlichen und ornamentalen Kunstausführung kamen nun weltweit die ersten abstrakten und wirklich neuen Kunstobjekte ins Blickfeld einer damals noch sehr kleinen Gemeinde der für so etwas zu Begeisternden.  Es war in Zeiten der Handzeichnung und der Stahlbetonbauweise in ihren Anfängen eben noch nicht alles gedacht, nicht alles umgesetzt, was auf der Hand lag. Eine dreidimensionale Zeichnung eines Bauhäuslers ohne sichtbare Entgleisung des Stiftes oder eine denkbar einfach entworfene  Einladungskarte zu einem Bauhausfest mit einem handgezeichneten Schriftzug in reiner und sauberer Form – auch wenn man sie heute in ihrer Idee und Ausführung manchmal als überholt erkennen kann – sind Zeugnisse einer unverfälschten und wirklich erstmalig in diesen besonderen Ergebnissen ablesbaren kreativen Arbeit.  Mich lässt eine solche Begegnung oft staunend und manchmal ein wenig ratlos zurück, weil es einen etwas entmutigt. Man meint, dem nichts mehr wirklich Gravierendes hinzufügen zu können. Nichts, was nur annähernd diesen Wert hätte. Wir heute können es eben nur noch „nachmachen“, im besten Fall weiterentwickeln. 

Nach einem katastrophalen Krieg und vielen politischen Wirren, fanden sich Menschen zusammen, die sich in einer ganz besonderen Atmosphäre der freien Individualität und kollektiven Kreativität als Gleichgesinnte erkannten und gemeinsam und eben genreübergreifend Innovationen entwickelten, die teilweise noch heute ihres Gleichen nicht finden. Dazu trugen natürlich in erster Linie die besonderen Lehrer bei, die bereit waren –entgegen den damals noch herrschenden Gepflogenheiten an Kunstschulen – völlig neue Wege zu gehen.  Bemerkenswert ist, dass so viele absolute Individualisten mit ihren avantgardistischen Ideen hier als Kollektiv zusammenfanden. 

Ein wichtiges Indiz, dass hier etwas völlig Neues entstanden war, ist beispielsweise der Fakt, das schon in der Satzung des BAUHAUSES festgehalten war, dass „jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht, deren Vorbildung“  jederzeit hier studieren durfte. In einer Zeit in der es Frauen im Allgemeinen vorenthalten war, in den Akademien zu studieren, war dies ein deutliches Zeichen.  

Ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Lehrern und ihren Schülern war erklärtes Ziel und für althergebrachte Strukturen an deutschen Hochschulen völlig undenkbar. Gemeinsame Theateraufführungen, viele Feste, Laternenumzüge, Maskenbälle und Ausflüge führten zu vielfältigen Beziehungen zwischen den Beteiligten – 71 Ehen waren die Folge.  

Die neuen Lehrmethoden generierten im Wechselspiel mit den für damalige Verhältnisse nur als avantgardistisch zu bezeichnenden Lebens-, Raum- und Lernstrukturen  natürlich auch neuartige Ergebnisse. Die zwischenmenschlichen Beziehungen unter Meistern und Studenten bildeten einen ganz eigenen Nährboden.  Schon an ihrem zweiten Abend am Bauhaus schreibt eine Studentin, dass sie sich wie in einem Rausch fühle: „ Eine große Halle mit weiß gedeckten Tischen, grüne Wände, Musik, fröhliches Spielen dringt uns entgegen, die Menschen, die alle hergekommen sind, hier ernst zu schaffen, sind sich noch ganz fremd, sie wollen sich aber nähertreten, gibt es da eine bessere Idee, als bei fröhlichem zwecklosen Zusammensein, Tanz und Spiel? Wir waren begeistert von diesem Anfang.“  Die Bauhäusler empfanden sich als Vorreiter der Modernisierung der Gesellschaft und verhielten sich auch so. „Die Haare lang bei den Jungen, die Röcke kurz bei den Mädchen. Man ging ohne Kragen und Strümpfe, was damals schockierte… man konstruierte ein Bauhausgewand, erfand den Bauhaus-Pfiff, den Bauhaus-Gruß..“, kurz man fühlte sich als das Besondere schlechthin. Man stelle sich nur vor, wie Johannes Itten in seinem – selbst für heutige Verhältnisse – völlig abgefahrenen Outfit auf seine neuen Studenten (und erst auf die Studentinnen!) gewirkt haben mag und wie er in den  bemerkenswert starken Farben seiner Gewänder eine wahrhaft schillernde Gestalt abgegeben haben muss. Barbara Hein schreibt in ihrem sehr gelungenen Artikel über das BAUHAUS in der ART 7/2009: „Das undogmatische Leben am Bauhaus sorgte bei den Bürgern immer wieder für Empörung.“ 

Doch Wir sind noch nicht weiter, in der Präzisierung des „Bauhausstils“ - und der Versuch macht auch keinen Sinn. Es gibt ihn nicht, den „Bauhausstil“.

Es gibt nur die tatsächlich stilvolle Idee, aus dem Nichts mit Hilfe des eigenen Geistes – und auch mit der Inspiration der vergangenen Generationen - etwas wahrhaftig Neues zu versuchen. Dabei sollte man sich keinesfalls davon schrecken lassen, dass man vermutlich nichts wirklich Grandioses hervorbringen wird. Das Spielfeld ist wohl aber groß genug, um diesen oder jenen Treffer zu erzielen. Das versucht jeder gute Architekt, wohlwissend, dass ein BAUHAUS nicht repetierbar ist. Warum auch, der Zug der Erkenntnis ist schon etliche Haltestellen später angelangt – und er fährt weiter - jeden Tag. In diesem Sinne ist a2haus bestenfalls nicht mehr – und nicht weniger – als eine dieser Haltestellen.

Hans Pohle, Geschäftsführer a2haus

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