Blickwinkel
Haus Schminke in LöbauMonday, 16. November 2009
Das Lieblingsstück des Architekten Hans Scharoun - ein Wohnhaus in Löbau.
In Löbau steht ein Wohnhaus von welchem sein Erschaffer selbst sagt, dass es ihm das Liebste war. Es handelt sich um Hans Scharoun, der für den Industriellen Schminke im Jahr 1930 diesen Entwurf gefertigt hat. Die Bauherrschaft hatte sehr konkrete Vorstellungen, ließen dem Architekten jedoch viel Spielraum für seine Entwurfsarbeit. Die Vorgaben an den Architekten lauteten: „ein modernes Haus für 2 Eltern; 4 Kinder und gelegentlich 1-2 Gäste, da der Garten zur Hauptsache nördlich des vorgesehen Bauplatzes lag; sollte der Blick nach dort wohl frei sein; Jedoch sollten die Wohnräume auch Südsonne haben, leichte Bewirtschaftung, nur eine Gehilfin für die Hausfrau, praktische Fußböden; einfache und leicht zu reinigende Bäder; Schlaf- und Waschräume; Wohn- Wasch- und Baderaum für die Hausgehilfin, Möglichkeiten zur Blumenpflege, an der die Hausfrau besonders interessiert war…“. Im Juni 1930 wird der Bauantrag eingereicht, der dann im August desselben Jahres genehmigt wird. Leider ist die Finanzierung des Baus noch nicht endgültig geklärt, so dass die Bauarbeiten nur schleppend beginnen können. Nach Unterbrechungen über den Winter wird im April 1931 die Arbeit wieder aufgenommen. Nach erneuter Unterbrechung etwa 1 Jahr später teilt der Bauherr Fitz Schminke Scharoun endlich mit, dass der Bau nun in Kürze richtig begonnen werden kann. Gleichzeitig übermittelt er zwecks Kostenersparnis Änderungswünsche am Entwurf. Es entsteht die nunmehr 6. Planfassung. Am 31.05.1933 wird das Haus endlich fertiggestellt. Der Bauherr nutzte mit seiner Familie das Haus übrigens nur 12 Jahre in seiner ursprünglichen Bestimmung als Wohnhaus. Nachdem es in DDR- Zeiten u.a. als Klubhaus für die FDJ und als Pionierhaus genutzt wurde, war es dann von 1990 – 1993 ein Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche. Heute ist dieses Baudenkmal wieder Eigentum der Stadt Löbau und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zum Nachempfinden der Wohnqualität kann die Möglichkeit der Übernachtung genutzt werden. Das Haus Schminke bietet sich außerdem als Ort für Workshops, Seminare, Ausstellungen, Buchlesungen oder Konzerte an. Die im Keller befindliche Keramikwerkstatt wird derzeit von 2 Zirkelgruppen genutzt.
Fritz Schminke war übrigens der Mitinhaber einer Nudelfabrik und somit durchaus wohlhabend. Er ließ sich sein neues Wohnhaus unmittelbar hinter der ihm gehörenden Fabrik errichten. Nach dem Bezug im Jahr 1933 wohnte die Familie Schminke bis in den Mai 1945 in diesem Haus. Nachdem auch 6.Mai die Hochzeit der Tochter Gertraude gefeiert wurde, musste schon einen Tag später die Familie vor der anrückenden Roten Armee fliehen, welche das Haus später beschlagnahmte und Offiziere einquartierte. Die Familie Schminke galt übrigens als Kriegsverbrecher, weil deren Teigwaren auch an die deutsche Wehrmacht ausgeliefert wurde. Fritz Schminke hat später versucht in Westdeutschland sich von Scharoun ein neues Haus entwerfen zu lassen, familiäre Gründe verhinderten allerdings diesen Bau.
Das Haus Schminke von Hans Scharoun in Löbau fehlt heute in keinem Architekturlexikon und stellt einen der wichtigsten Beiträge zum sogenannten „neuen Bauen“ und dem „International Style“ dar. Schon 26 Jahre nach seiner Fertigstellung wurde es wegen Denkmalverdacht erfasst und 1978 schließlich auch unter Denkmalschutz gestellt.
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