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Designhaus Bad Soden II fertiggestelltFreitag, 23. April 2010

Luxushaus in Bad Soden

Das zweite a2haus in Bad Soden ist nun fertiggestellt und wird bewohnt. Es wurde von Hans Pohle entworfen und vom a2-Architekten Matthias Baudenbacher final geplant. Die Gartenanlage nach a2-Entwurf ist noch in der letzten Abstimmung mit der Bauherrschaft und der danach folgenden Ausschreibung begriffen und wird später fertiggestellt.
Bei diesem Bauwerk handelt es sich um einen der ungewöhnlichsten Entwürfe die a2 je erstellt und umgesetzt hat. Lesen Sie zum besseren Verständnis hierzu folgenden Text aus dem Newsbereich des letzten Jahres, als sich das Haus noch in der Realisierung befand:

Seit Jahrzehnten stand ein altes Haus am Gipfel eines Hügels auf einem Filetgrundstück in der allerbesten Lage Bad Sodens. Nicht besonders attraktiv fand es keine neuen Bewohner.

Insbesondere die kleine Grundfläche von ca. 11x10m und die damit verbundene geringe Wohn- und Nutzfläche von nur ca. 160qm verhinderten, dass ein Umbau und eine Renovierung den Ansprüchen einer heutigen gutsituierten Familie genügen konnten.

Die Alternative - Abriss des Alten und Neubau - war offensichtlich auch nicht einfach zu lösen, denn seit einigenJahren hatten sich verschiedenste Projektentwickler und Architekten an dieser Aufgabe versucht und waren an den besonderen Parametern dieses Grundstücks gescheitert. Der sehr schmale (Baubreite im Mittel nur 11m) und tiefe Zuschnitt des Grundstücks, verbunden mit einer starken Hanglage stellten eine Problemzone. Viel bedeutsamer waren allerdings die öffentlichen Auflagen, die dem eigentlich exorbitant hohen Wert des Grundstücks konträr gegenüberstanden.

Die Spitze des Hügels diente schon immer den Bürgern als Aussicht auf die Umgebung. Die Sicherung dieses Gemeinwohls führte schon vor Jahren zur Erstellung eines Bebauungsplanes. In denselben waren Areale eingezeichnet, die nur eingeschossig zu bebauen waren und konzentrisch vom Ausblick ausgehende fächerartig angeordnete Sichtachsen vorgesehen, die komplett freizuhalten waren. So blieb das oben genannte Baufeld übrig, das dem Wert des Grundstücks nicht annähernd entsprach, das heißt, keine adäquate Bebauung zu ließ. Diese schwierige Konstellation erklärt Bild 1.

Am Ende einer Odyssee der Grundstückssuche hatte nun eine deutsche Familie, die zu diesem Zeitpunkt noch in England wohnte, genau dieses aus oben genannten Gründen übriggebliebene Grundstück erworben, um sich ihr Domizil darauf zu errichten. Man suchte schon seit einiger Zeit einen Bau- und Planungspartner, der in der Lage war,für diese schwierige Entwurfssituation und im Stil der klassischen Moderne ein ca. 400qm Wohn- und Nutzfläche umfassendes Architektenhaus zu entwickeln und zum pauschalen Festpreis dann auch umzusetzen. Unter den oben genannten Bedingungen und mit konservativer Entwurfsarbeit war dies eine schlichtweg unlösbare Aufgabe.

Es bedurfte hier eines kreativen Partners der mit ungezügeltem, freiem Geist die Situation analysierte und einen besonderen Entwurf zu entwickeln in der Lage war. Dabei musste er diesen auch fach- und budgetgerecht umzusetzenkönnen.

Im Herbst 2007 hatte man seinen Partner gefunden – a2. Der für dieses Team obligatorische Wettbewerb fand statt. Der Siegerentwurf hatte ein verblüffende Lösung für alle oben genannten Probleme: ein Grundriss als Parallelogramm mit nördlich und südlich an die schräge Schnittkante der unteren Sichtachse angelegten Außenwänden. Es entstand ein sehr außergewöhnlicher Baukörper mit ebensolchen Grundrissen. Der Auftraggeber hatte eigentlich einen puristischen, rechtwinkligen kubischen Baukörper mit großen Fensterflächen nach Süden und damit in das Tal gerichteten Blickfeldern erwartet. Die meisten a2-Kunden würden dies wohl als „Bauhausstil“ definieren. Nun wurde also dieser überraschende Entwurf zum Vertragswerk optimiert und das Projekt konnte starten.

Dem länglichen Baufeld entsprechend wurden im Grunde 3 übereinander gestapelte Röhren angelegt. Die Untere liegt zu 70% im Hang eingegraben und enthält Nutz- und Technikräume. Gartenseitig sind ein Kinderatelier und eine Wellnessoase mit Gästeräumen integriert, die über großdimensionierte Fensterflächen Licht ins Haus bringen und den Blick ins Tal erlauben.

Die gesamte Außenhülle ist hochgedämmt ausgeführt und liegt deutlich über den üblichen Werten. Eines der statischen Probleme war, dass ab dem EG keine Außenwand mehr über einer anderen liegt, was umfassende Berechnungen und dann raffinierte und starke Bewehrungen des Betons und andere aufwendige Maßnahmen zur Lastabtragung erforderte. Auch das Dachentwässerungssystem war sehr schwierig zu planen und auszuführen, weil im Grunde alle Geschosse terrassiert angelegt wurden, um den Abstandsflächen zu genügen und einen spannenden Baukörper zu erhalten. Statik und Fensterstandorte in der Fassade waren auf die Lage der Fallrohre abzustimmen – das erfordert ein hohes Level an Planungsqualität und des ausführenden Dachdeckerunternehmens. a2 baut eigentlich nur derartige Sonderbauwerke, aber dies hier war eine ganz besonders schwere Aufgabe.

Die über dem Untergeschoss liegende Ebene liegt auf Gehwegniveau. Hier wird das Haus erschlossen. Der Garagenkörper ist vorn links unter den stark auskragenden und die vordere Ansichtsseite stark dominierenden Baukörper des Obergeschosses geschoben (Bild 3). Das ermöglicht den Bewohnern mit dem Automobil einzufahren und das Haus geschützt von Innen zu betreten, was während Schlechtwetterperioden nützlich ist. Auch können hierEinkäufe auf kurzem Weg in die unmittelbar neben der Küche angeordnete Vorratskammer verbracht werden.

Schon hier in der Eingangszone existiert eine Blickachse ins Tal und hebt die Spannung, auf das, was das Haus zu bieten hat. Nach dem man den die Längsachse aufnehmenden und mittig angelegten Flur durchschritten hat, eröffnet sich dem Auge eine spektakuläre Panoramaaussicht in die Natur. Man schwebt gewissermaßen über dem Tal, was eine erhebende Stimmung erzeugt, die nur durch die noch besseren Aussichtsituationen in den beiden Geschossen darüberüberboten wird. Die offene und großzügige Wohn- und Esszimmerkonstellation mit südseitig kompletter Fassadenöffnung - durch die Schräge noch um ca. 20% Fensterfläche erweitert und sogar konsequent der ebenso schräg ausgerichteten Südsonne zugewandt (ein zufälliges, wenn auch willig einbezogenes Ergebnis der Sichtachsenbeschneidung des Bauwerks) zählt zu den schönste Räumen des Hauses. Bei a2 gehört es zu den Grundprinzipien, dass man allen Räumen größtmöglichste Qualitäten zuordnet. Wenn ein Raum also keine Aussicht hat, sollte er irgendeine andere positive Konstellationbesitzen. Hier im Erdgeschoss zum Beispiel ist es eine Bibliothek, deren Durchsichtskamin in Richtung des Esszimmers gleichermaßen dem Leser und/oder dem lukullischen Genüssen frönenden Gast an der Tafel seine Wärme und sein Feuerspiel präsentiert. Die attraktive Küche, grenzt unmittelbar an das Esszimmer und kann bei Bedarf mit Schiebewänden abgetrennt werden. Ein Arbeitszimmer und das für jede Etage obligatorische WC runden das Raumprogramm ab. Eine auskragende Terrasse erweitert das Esszimmer um einen attraktiven Außenbereich. Bodengleich erschlossen ( was technisch sehr aufwendig zu lösen war, weil der innere und der äußere Fußbodenaufbau stark differieren und somit eine statische Deckenabsenkung notwendig war) und durch ein großes Schiebefenster während der warmen Jahreszeit breit zu öffnen, ergänzt diese Fläche luftig die attraktive Innenwohnfläche auf der Süd- und Talseite des Hauses (Bild 4).

Im Obergeschoss befinden sich die drei großen Kinderzimmer mit eigenem Bad und die Schlafsuite der Eltern. In der Badewanne sitzend kann man den Ausblick in die Weite genießen, denn das Bad ist in der südlichsten Ecke des Bauwerks angeordnet. Diese spitzwinklige Ecke wurde übrigens durch den Entwurfsverfasser H. Pohle abgerundet, umder dem Charakter der Bewohner überhaupt nicht entsprechende aggressiven, klingenartigen Form dieses Bauteils die Schärfe zu nehmen. Von dieser Ecke ausgehend, wurden dann übrigens die genau gegenüberliegenden Ecken und die auf derselben Seite darüber und darunter liegende Ecke ebenso ausgeformt, was den Grundcharakter des Gebäudes positiv „abrundete“. Hier sollte also kein Zitat der klassischen Moderne aufgenommen werden, sondern lediglich eine Optimierung eintreten.

Übrigens können die Eltern im Bett liegend ihr Frühstück genießen und dabei auch wieder die Natur genießen. Eine Terrasse vor Bad und Schlafzimmer bieten hier noch zusätzlich Außenwohnqualität auf sprichwörtlich hohem Niveau.

Die unsägliche Auflage, im nordseitigen Baufeld bis zu einer gewissen Linie nur eingeschossig bauen zu dürfen, hätte hier beinahe die Umsetzung des Raumprogramms verhindert, die beiden straßenseitigen Kinderzimmer wären nur je 8qm groß geworden. Eine durch a2 für den Auftraggeber erstellte raffinierte 3-D-Präsentation – welche zum Ziel hatte, darzustellen, dass der schräge Anschnitt auch straßenseitig vom Ausblick aus gesehen den Baukörper eine grazile und schmale und damit nicht störende Optik gab - überzeugte die entscheidende Jury allerdings davon, auf diese Auflage zugunsten der Architektur und des Wohnwertes des Bauwerks zu verzichten, was diesem Gremium hoch anzurechnen ist (man hätte ja auch Dienst nach Vorschrift machen können). Das war zwar ein zeitaufwendiges und arbeitsintensives Prozedere, was a2 für den Auftraggeber und die Qualität des Entwurfes gern gratis unternommen hat und welches sich sehr gelohnt hat.

Gekrönt wird dieses Bauwerk durch ein Dachstudio mit Terrasse. Hier schweben die Bewohner an besonderen Tagen über allem - können ihren Gedanken freien Lauf lassen, philosophieren, Musik hören, Cocktails trinken und genießen, genießen...

Der Rohbau war gerade fertig und die Bauherrschaft hatte noch eine Idee: in diesem Dachstudio könnte doch noch ein 4m langes Fenster an der Westseite der Treppe eingeschnitten werden? Hier hätte man doch auch noch einen zusätzlichen attraktiven Ausblick, wenn man dort hochkommt? Richtig gefühlt, richtig gedacht! Gegen die Erstattung der Unkosten wurde diese Idee flexibel umgesetzt. Das war es wert. So verzeichnet a2 oft eine fruchtbare Symbiose der Gedanken- und Wunschwelt der Auftraggeber und der eigenen Facharbeit.

 

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